Meine Meinung

2018 wird ein schwieriges, aber kein schlechtes Börsenjahr

Ein passables und erstaunlich schwankungsarmes Börsenjahr geht zu Ende – aber ein wesentlich schwierigeres steht uns bevor. 2017 hat, wenn man die nackten Zahlen betrachtet, vor allem Aktien aus den USA und den Schwellenländern hohe Kursgewinne beschert, während Europa weit hinter dem Welt-Durchschnitt herhinkt. Aber das Plus beim Dow Jones von 22%, beim Nasdaq 100 von 26% und beim MSCI Emerging Markets sogar von 32% reduziert sich für deutsche Anleger nach der Umrechnung von Dollar in Euro doch beträchtlich. Denn der Euro hat gegenüber der Welt-Leitwährung um 12% zugelegt – bleiben also gut 10% an tatsächlichen Erträgen bei US-Aktien übrig. Für Schwellenländer-Aktien war 2017 jedoch trotz der Währungseinbußen ein außerordentlich gutes Jahr.

Europäische Aktien haben dagegen erneut enttäuscht. Das Plus von rund 8% des EuroStoxx 50 und der Stoxx 50 rührt zu einem guten Teil von den deutlich gestiegenen deutschen Aktien her: DAX plus 13%, TecDAX gar plus 36% sowie MDAX und SDAX je rund 20% können sich mehr als nur sehen lassen. Deutschland hat dank des anziehenden Wachstums der Weltwirtschaft von seiner Exportstärke und seiner zyklischen Ausrichtung profitiert. Ohne den deutschen Beitrag sähe das europäische Plus doch recht mager aus.

Das ist insofern überraschend, als Europas Konjunktur 2017 besonders große Fortschritte gemacht hat – das Wachstum zieht so deutlich an wie seit Beginn der Finanzkrise 2007 nicht mehr – und die verlässlichsten Konjunktur-Frühindikatoren - die Markit-Einkaufsmanagerindizes der Eurozone und der größten Länder des Kontinents - sind sogar auf oder nahe am höchsten Niveau dieses Jahrtausends angelangt. Das lässt mindestens ein erneutes Wachstum von 2-2,5% erwarten. Aber trotz dieses Konjunkturschwungs sind die Unternehmensgewinne in Europa deutlich langsamer gestiegen als in den USA – und das ist dem schwachen Dollar bzw. starken Euro zuzuschreiben, der die Erträge aus dem Dollarraum deutlich reduziert. Auch für 2018 erwarten Analysten im Durchschnitt mit rund 8% ein geringeres Gewinnplus als in den USA mit gut 11%.

Europas Aktien sind viel günstiger als amerikanische

Die unterdurchschnittliche Performance der europäischen Aktien hat dazu geführt, dass die Bewertung mit einem Durchschnitts-KGV von 14 bis 15 (auf Basis der für 2018 erwarteten Gewinne) so deutlich unterhalb des KGV der US-Aktien (S&P 500) von 18 bis 19 liegt wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Europas Aktien haben also klaren Nachholbedarf – und ich rechne damit dass sie 2018 besser abschneiden werden als amerikanische. Auch, weil der Euro nicht weiter zulegen dürfte, denn der Zinsnachteil zum Dollar wird immer größer.

Generell wird das kommende Jahr schwieriger werden als 2017. In diesem Jahr war die Volatilität – das Maß für die Risikoeinschätzung der Anleger – so niedrig wie seit langem nicht mehr. Nicht einmal die zahlreichen politischen Unruheherde konnten dem Dauer-Optimismus der Anleger viel anhaben.

2018 wird nicht nur wegen der historisch sehr hohen Bewertung der US-Aktien herausfordernder werden, sondern auch aus anderen Gründen: Der wichtigste ist die Geldpolitik. In den USA werden die Leitzinsen angesichts der guten Konjunktur und der geringen Arbeitslosigkeit vermutlich mindestens dreimal angehoben werden. Ob die Finanzmärkte das ebenso gut wegstecken werden wie bisher, wage ich zu bezweifeln, zumal die Fed damit begonnen hat, ihren riesigen Anleiheberg, den sie im Zuge ihres „Quantitative Easing“ aufgebaut hat, wieder abzutragen. Das ist ein Experiment mit unsicherem Ausgang, da es so etwas nie zuvor gegeben hat. Nicht nur Bergsteiger wissen: der Abstieg ist meistens mühsamer und gefährlicher als der Aufstieg. Das wird die Finanzmärkte immer wieder verunsichern. Zumal ein Risiko nicht eingepreist ist: dass die Fed aufgrund einer schneller als erwartet anziehenden Inflation gezwungen sein wird, ihre Geldpolitik stärker zu straffen als es Experten bislang erwarten. Nicht vergessen sollten wir, dass die Fed Anfang nächsten Jahres mit Jerome Powell einen neuen Vorsitzenden bekommt – wie er auf Herausforderungen reagieren wird, weiß keiner, und das sorgt für Nervosität.

Die Inflation hat zweifellos viel Potential nach oben. Zum einen, weil der anhaltende Konjunkturaufschwung die Preisüberwälzungsspielräume der Unternehmen und die Lohnforderungen erhöht, zum anderen, weil der deutliche Ölpreisanstieg und die teureren Rohstoffe mit der üblichen Zeitverzögerung auf die Inflationsraten durchschlagen dürften. Es ist also gut möglich, dass die Teuerung in den USA und in Deutschland schon bald die 2%-Marke dauerhaft überspringt, und dass sich die Preise im Euroraum recht schnell diesem Niveau annähern werden. Dann gerät EZB-Präsident Mario Draghi noch stärker unter den Druck Deutschlands und anderer „Nordländer“, die Anleihekäufe einzuschränken und die Zinsen anzuheben. Ob er das tun wird, so lange „sein“ Italien dringend auf Nullzinsen angewiesen ist, wage ich zu bezweifeln.

Auch die zunehmenden geopolitischen Krisen und die Politik Donald Trumps werden an den Märkten kaum so spurlos vorübergehen wie 2017. Dafür sind die Aktienbewertungen inzwischen vielfach zu hoch. Und an den Anleihenmärkten drohen bei anziehender Inflation herbe Kursverluste, die den Finanzmärkten insgesamt immer wieder zusetzen werden.

Wie lautet mein Fazit? 2018 wird wesentlich schwankungsanfälliger als 2017, ja es sind durchaus Korrekturen von 10 bis 15% und mehr möglich. Aber der Grundtrend an den Börsen bleibt aufwärts gerichtet. Dafür sorgen die verbesserte Weltkonjunktur, die fehlende Renditekonkurrenz von Zinsanlagen und die zu erwartenden deutlichen Dividendensteigerungen. Denn viele Unternehmen schwimmen in Liquidität – und die werden sie teilweise ihren Aktionären weiterreichen. Die besten Chancen sehe ich bei europäischen Aktien und in den Schwellenländern. Und hier insbesondere bei Aktien mit hoher, gesicherter Dividendenrendite. Die Finger weglassen würde ich dagegen von Anleihen mit Laufzeiten über 5 Jahren. Denn die bergen erhebliche Kursrisiken.

 

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    EIne weitere Herausforderung im Jahr 2018: Die US-Notenbank bekommt einen neuen, noch unbekannten Chef: Jerome H. Powell