Interview_Capital_21.01.2016

„Geld ist für mich ein Nebenprodukt“

Herr Heller, Sie sind seit fast fünf Jahrzehnten als Vermögensverwalter tätig. Lag Ihnen der Job schon immer im Blut?

Nein, ich war eher Spätzünder. 1963 schmiss ich einen gut bezahlten Job als Unternehmensberater, um mir mit 28 meinen Kindheitstraum zu erfüllen: ein Jahr  in die USA zu gehen, auch wenn ich bei Null und einem Bett zur Untermiete anfangen musste. Daraus wurden – wieder im Management Consulting – sechs tolle Jahre, ehe ich 1969 das Angebot hatte, in Deutschland den Vertrieb ausländischer Fonds aufzubauen.  Ich schlug ein. 

Warum?

Die angelsächsische Idee einer bankenunabhängigen Vermögensverwaltung war für Deutschland neu. Und ich war fasziniert von einem Kollegen, dessen Tag morgens erst mal mit einem halbstündigen Anruf seines Brokers losging und der so offenbar viel Geld an der Börse machte (lacht).  

Das machten dann bald Sie?

Von wegen! Als ich 1970 loslegte, war das noch kurz zuvor boomende Investmentgeschäft in Deutschland tot. Der Skandal um die Pleite des „Investment Overseas Services“ (IOS) von Bernie Cornfeld hatte einen immensen Flurschaden angerichtet und Regulierer alarmiert. 

Wie kam es dann zur Zusammenarbeit mit André Kostolany? 

Mit einer erprobten Methode: Ich hatte  schon meine Frau, eine gebürtige Britin, in New York kennen gelernt, indem ich ihr vorschlug, wir könnten ja etwas an den Defiziten der deutsch-britischen Beziehungen ändern. Den damals sehr prominenten Kostolany sprach ich 1970 am Rande einer Veranstaltung an: er beklage in seinen „Capital“-Kolumnen ja immer die Defizite der Deutschen in der Geldanlage, ob wir denn nicht gemeinsam an diesen Defiziten arbeiten wollten? 

Und er wollte?  

Ja. Aber wir hatten schwierige Jahre, ehe wir 1974 auf einer nächtlichen Autobahnfahrt durch strömenden Regen die Idee hatten, nicht nur Vermögensverwaltung anzubieten, sondern auch Börsenseminare  an Wochenenden zu veranstalten. Das war der Durchbruch. 

Wann kam die erste Million?

Exakt sagen kann ich das nicht, denn mir war finanzielle Unabhängigkeit immer wichtig. Bloß keine Kredite! Folglich blieb auch jeder Cent im Unternehmen. Reich werden, das war nie mein Ziel. Wenn ich das gewollt hätte, wäre ich auf die vielen Verlockungen hereingefallen, über windige Empfehlungen von Immobilienfonds, Steuersparmodellen, etc. schnelle 15 bis 20 Prozent Provision zu machen. Geld war ein Nebenprodukt, weil die Firma ja nur dann profitierte, wenn auch die Kunden Erfolg hatten. 

Nimmt man aber das Interesse anderer an einer Übernahme als Maßstab, war die „Million“ Mitte der 80er überschritten. 

Was können Sie Anlegern auf Basis von 50 Jahren Erfahrung raten?

Gehen Sie auch mal unbequeme Wege. Beruflich wie bei der Geldanlage. Spareinlagen sind bequem, und Aktien mögen schwanken, sind aber langfristig unschlagbar rentabel. Mir will nicht in den Kopf, wieso das so wenige Menschen umsetzen in Deutschland.

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Gottfried Heller, 80, ist Vermögensverwalter und Buchautor. 1971 gründete er mit dem langjährigen Capital-Kolumnisten André Kostolany  die FIDUKA-Depotverwaltung. Hellers neuestes Buch „Der einfache Weg zum Wohlstand“ ging jüngst in die fünfte Auflage.