Kolumne_Die Welt_25.10.2014

Schmales Zeitfenster für den günstigen Börseneinstieg

Im November starten die für Aktien günstigen sechs Monate bis April

Seit dem Herbst 2011 gingen die Aktienbörsen ohne nennenswerte Korrekturen fast geradlinig nach oben. Der Dax legte in diesen drei Jahren um 64 Prozent zu. Das entspricht einer Rendite von gut 17 Prozent pro Jahr. Der Dow Jones und der MSCI Weltindex schafften jeweils 75 Prozent. Ende September setzte aber die Korrektur mit Wucht ein. Binnen fünf Wochen hat der Dax 13 Prozent verloren, mehr als alle anderen Indizes. Dabei sind die Umsätze an den Börsen deutlich gestiegen – ein Zeichen von Panikstimmung. Manche fragen sich schon, ob dies nur eine überfällige Korrektur oder der Vorbote einer Baisse ist. Diese Frage ist nicht unberechtigt, gibt es doch viele geopolitische Konflikte, von denen schon einer ausreichte, um an den Börsen einen Rückschlag auszulösen. Und da ist schließlich die unlösbare Eurokrise, mit den Problemfällen Italien und Frankreich.

Ominös ist, dass Mitte Oktober die Renditen der Staatsanleihen von Italien, Spanien, Portugal und Griechenland steil anstiegen.

Es heißt, das Euro-Gespenst sei zurückgekehrt. Das stimmt nicht, es war immer da, es wurde mit Rücksicht auf den Wahlkalender nur zeitweise unter den Teppich gekehrt.

Demgegenüber fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf 0,71 Prozent, so tief wie noch nie. Ist es die Flucht in Sicherheit wegen des Euro oder ist es die Furcht vor einer Rezession? Letzteres könnte der Hauptgrund sein.

Vor einem Jahr schien es, dass die Konjunktur in den USA, China und der Euro-Zone erstmals ein synchrones Wachstum aufwiesen und sie sich nach all den Krisen langsam auf dem Weg zurück zur Normalität befänden. Doch dann kamen plötzlich schlechte Nachrichten aus Europa. Da auch in Japan und China die Wirtschaft schwächelt, sind die USA die einzige Konjunkturlokomotive, zu wenig, um die Weltwirtschaft in Fahrt zu bekommen. Das hat auch in den USA die Geldhüter aufgeschreckt. Noch im September hatte die Fed bekannt gegeben, dass sie die Zinsen 2015 und 2016 ziemlich rasch in Richtung 2,5 bis 3,0 Prozent anheben werde. Zudem wollte sie im Oktober die Ankäufe von Staatsanleihen beenden. Das wird jetzt von Fed-Mitgliedern in Frage gestellt. Im Klartext heißt dies, dass sogar in den USA eine relative lockere Geldpolitik länger beibehalten werden wird. Auch für den Pflegefall Euro-Zone wird die Nullzins-Politik noch lange fortbestehen. Nicht genug damit, will die EZB kreditverbriefte Anleihen kaufen. Diese ABS wurden in den USA erfunden und gelten als Auslöser der Finanzkrise. Dass der Präsident der EZB, Draghi, trotzdem diese gefährlichen Instrumente einsetzt, zeigt, dass er vor nichts zurückschreckt. Jedenfalls lassen die Notenbanken die Welt nicht in die Rezession zurückfallen. Die Niedrigzinsphase sorgt zudem für eine Verlängerung des Aktienaufschwungs – aber auch für eine anhaltende Enteignung der Zinssparer.

Die Konsequenz für Anleger: Sie sollten die Korrektur an den Börsen nutzen, zu günstigen Kursen einzusteigen. Sie sollten bevorzugt dividendenstarke Titel kaufen. Bei den niedrigeren Kursen sind die Renditen gestiegen, am meisten bei den Ölwerten. Sie bieten Dividenden von bis zu sieben Prozent. Dax-Titel haben teilweise erheblich eingebüßt. Trotzdem ist es nicht zu empfehlen, sich auf deutsche Werte zu beschränken. Zum einen, weil die große Koalition mit der Ausweitung des Sozialstaats den Standort Deutschland weniger attraktiv gemacht hat. Darüber hinaus steigert ein international diversifiziertes Depot die Renditen, senkt das Risiko und schützt vor der Inflation. Dass sich dies ohne großen Aufwand machen lässt, habe ich in meinem soeben in der überarbeiteten 4. Auflage erschienenen Buch „Der einfache Weg zum Wohlstand“ dargestellt.

Es könnte sein, dass das Zeitfenster zum günstigen Einstieg nicht lange offen bleibt. Dafür gibt es gute Gründe: Im November beginnen die saisonal für Aktien günstigen sechs Monate bis April. In den USA finden Anfang November Zwischenwahlen zum Kongress statt. Ein interessantes Phänomen ist, dass die Börse im 4. Quartal im Jahr der Zwischenwahlen viermal stärker gestiegen ist, als im Durchschnitt aller Quartale. Die Chance, dass die Börsen am Jahresende höher stehen als derzeit, ist also groß.