Kolumne_Die Welt_22.02.2014

Weckruf für Sparer und junge Menschen

Nur Aktien ebnen den Weg in einen sorglosen Ruhestand

Mein Freund und Partner André Kostolany, ein Börsianer und Kosmopolit, sagte immer über uns: „Die Deutschen sind in Europa das unerfahrenste Volk in der Aktienanlage. Mit ihrem übertriebenen Sicherheitsdenken bringen sie sich jährlich um einen beträchtlichen Vermögenszuwachs.“

Deutsche suchen Sicherheit – nicht nur in der Geldanlage, sondern auch in der Politik. Nur so lässt sich die große Mehrheit von Angela Merkel bei der Bundestagswahl erklären.

Man nennt sie ja die „Mutti“, bei der man sich geborgen fühlen kann. In beiden Fällen ist es eine trügerische Sicherheit: bei Geldanlagen gibt es Realverluste und bei der Regierung bringt der Koalitionsvertrag Einbußen in der Wettbewerbsfähigkeit.

Die Bundesregierung hat einen deutlichen Ruck nach links vollzogen. Mit der Rente „63“ und der Mütterrente hat Angela Merkel Teile der mutigen Reformen, die SPD-Kanzler Schröder durchgesetzt hatte, rückgängig gemacht. Angela Merkel hat bei ihrer Regierungserklärung gesagt, sie wolle dafür sorgen, dass es in vier Jahren den Menschen in Deutschland besser gehe. Gemeint hat sie wohl, dass es den Menschen über 60 besser gehe, denn diese Wählergruppe hat ihr die Stimmen gebracht. Die Große Koalition bedient mit Wohltaten im Volumen von etwa 200 Milliarden Euro die eigenen Wähler - zu Gunsten der Älteren und zu Lasten der jungen Generation. Die Jungen müssen die wachsende Zahl der Rentner finanzieren, wohl wissend, dass ihre spätere Rente nicht für einen sorgenfreien Ruhestand reichen wird. Daher möchte ich diese Kolumne als Weckruf für junge Menschen verstanden wissen. Sie müssen zusätzlich privat für ihre Ruhestand sorgen und sie sollten es klüger und ertragreicher machen als ihre Altvorderen. Mein Rat lautet: Je früher sie beginnen und je gescheiter sie anlegen, desto geringer ist der Betrag, den sie dafür einsetzen müssen. Bei einer Rendite von zwei Prozent müssen 200 Euro monatlich aufgewendet werden, um in 30 Jahren 100.000 Euro Endvermögen zu erzielen, bei sechs Prozent sind es 100 Euro, also die Hälfte. Aber wie sechs Prozent pro Jahr erzielen?

Anstatt, wie derzeit, 75 Prozent in Geldanlagen zu Mini-Zinsen anzulegen, sollte eine klug konzipierte Vermögensanlage auch Aktien enthalten. In meinem Buch „Der einfache Weg zum Wohlstand“ habe ich eine Systematik dargestellt,wie man ein Wertpapierdepot mit Sicherheitsnetz gestalten kann. Vier einfache Regeln genügen:

1. Aktieninvestments breit streuen – das senkt das Risiko.
2. International investieren – das steigert die Rendite.
3. Langfristig überlegene Aktienklassen übergewichten. Das sind Substanzwerte mit hoher Dividende sowie Nebenwerte
und Schwellenländer-Papiere
4. Langfristig anlegen.

Mit breiter internationaler Streuung und einem Anleiheanteil – je nach Risikotoleranz zwischen zehn und 50 Prozent - ist dieses Portfolio ertragsstark und risikominimiert. Aktuell stellt sich die Frage, ob es sich nach fünf Jahren Aktienaufschwung noch lohnt einzusteigen. Positiv ist, dass erstmals weltweit ein synchroner Konjunkturaufschwung begonnen hat. Der aktuelle Einkaufsmanagerindex – als bester Frühindikator – signalisiert mit 56,5 Punkten in den USA und 54,0 im krisengeplagten Europa, dass die Industrieländer auf Expansionskurs sind. In den Schwellenländern geht es nur langsam voran. Sie befinden sich in einer Anpassungskrise. Ihr Geschäftsmodell, das vorwiegend auf massive Investition und starken Export ausgerichtet war, muss mehr auf Binnenwirtschaft und Konsum umgestellt werden. Die nötigen Strukturreformen brauchen Zeit.Am billigsten sind Schwellenländer mit einstelligen KGVs. Unter langfristigen Aspekten sind sie wieder attraktiv, weil nicht nur die Aktien, sondern auch die Währungen Erholungspotenzial haben.

Aktien sind zwar nicht mehr ganz billig, aber auch noch nicht zu teuer. Die steigenden Unternehmensgewinne mit einem für 2014 geschätzten Wachstum von bis zu 15 Prozent sorgen für Kursfantasie.
Das Börsenjahr verspricht erneut gut zu werden, wenn auch etwas weniger gut als 2013. Und die wahrscheinlich stärkeren Schwankungen bieten Anlegern wieder Einstiegschancen.

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