Kolumne_Die Welt_09.11.2013.

Der Dax nimmt die Zahl 10.000 ins Visier

Börsenaufschwung kann auch im Jahr 2014 weitergehen

Erstmals hat der Dax die 9000-Punkte-Marke übersprungen und dennoch herrscht keine Euphorie – das ist bemerkenswert. Nun wird oft gefragt, ob der Dax noch bis Jahresende die 10.000 Punkte knacken kann. Monate zuvor lautete die Frage noch, wann denn der nächste Crash anstehe. Hinter dieser Frage verbarg sich die Hoffnung auf einen Rückschlag, weil viele Anleger den Aufschwung glatt verpasst hatten.

Jetzt fragen sich viele: Wird sich der seit fast fünf Jahren andauernde Börsenaufschwung 2014 fortsetzen? Als treibende Kraft stehen an erster Stelle die Notenbanken. Seit dem Ausbruch der US-Immobilienkrise haben sie, allen voran die US-Fed, die Finanzmärkte mit Geld geflutet und die Zinsen nahe Null gesenkt – zuletzt hat die EZB den Leitzins auf 0,25 Prozent halbiert. Die Enteignung der Sparer wird schlimmer.

Die unkonventionelle Geldpolitik von Fed-Chef Ben Bernanke war ein gewagtes Experiment. Genauso führt aber auch der Ausstieg aus dieser Politik in unerforschtes Gelände. Das größte Problem 2014 dürfte die graduelle Reduzierung der immensen Geldschwemme im späteren Jahresverlauf sein, die an den Börsen Turbulenzen auslösen wird.

Wie schwierig es werden wird, zeigte die panikartige Reaktion der Finanzmärkte, als im Mai Bernanke nur einmal andeutete, dass die Gelddroge in absehbarer Zeit etwas gekürzt werden könnte.

Prompt fielen die Aktienkurse und die Zinsen schossen in die Höhe. Das war ein Schock für Bernanke und er tat alles, um die Märkte wieder zu beruhigen.

Seine Geldpolitik ist darauf angelegt, die Hypothekenzinsen zu drücken, um dem Immobilienmarkt auf die Beine zu helfen, dadurch den Konsum als wichtigste treibende Kraft zu beleben und so die Konjunktur in Schwung zu bringen. Das scheint zu gelingen. Zwar sind die Signale für einen globalen Wirtschaftsaufschwung nicht eindeutig, aber es ist erkennbar, dass unter Führung der USA in allen Regionen die Ampeln von Gelb auf Grün schalten. Erstmals seit Ausbruch der Krise beginnt 2014 weltweit ein synchroner Konjunkturaufschwung. Und das ist positiv für Aktien.

Die Weltkonjunktur ist aber noch fragil. Da sind zum einen die Wachstumskrisen einiger Schwellenländer, dann die Probleme in den Euro-Peripheriestaaten und schließlich die hohe Arbeitslosenquote in den USA. Daher wird die expansive Geldpolitik noch weiter gelockert. Mit einer unter dem Zielwert von zwei Prozent liegenden Inflationsrate, sowohl in den USA wie in Europa und Japan, können Notenbanken das gefahrlos tun.

Was könnte nun den Frieden stören? Im Januar/Februar kommt erneut die Debatte über den US-Haushalt. Es ist wieder mit Streit zu rechnen, aber die Tea-Party-Aktivisten sind geschwächt, die kühleren Köpfe haben wieder das Sagen. Daher droht den Märkten von dieser Seite keine große Gefahr.

Ein ernsterer Störfall droht in der Euro-Zone. Das Stillhalteabkommen zwischen Angela Merkel und den Krisenstaaten endet und die Gespenster werden unter dem Teppich hervorkriechen.

Interessant wird sein, wie die Politik der Großen Koalition ausfallen wird, weil die drakonische Sparpolitik in den betroffenen Staaten an der Toleranzgrenze angelangt und eine Revolte dagegen im Gang ist. Auf jeden Fall wird die ungelöste Krise Wasser auf die Mühlen einer neuen politischen Bewegung in Europa sein, einer Allianz der Anti-Europäer – einer Version der US-Tea-Party. Das könnte eine härtere Gangart in Sachen Euro-Rettung zur Folge haben.

Sind Aktien also schon überbewertet oder lohnt sich der Einstieg noch? Die Bewertungskennzahlen nähern sich ihren langfristigen Durchschnitten an. Trotzdem besteht Kursfantasie dank steigender Unternehmensgewinne infolge des stärkeren Wirtschaftswachstums. Um der Entwertung ihrer praktisch renditelosen Geldanlagen zu entgehen, sollten Sparer also wenigstens einen Teil in Aktien oder Aktienfonds anlegen. Es ist noch nicht zu spät. Wie man ein Wertpapierdepot mit einer überdurchschnittlichen Rendite bei begrenztem Risiko gestalten kann, habe ich in meinem Buch "Der einfache Weg zum Wohlstand" nachvollziehbar beschrieben.