Kolumne_Die Welt_08.01.2015.

An Aktien führt auch 2015 kein Weg vorbei

Der Dax ist in fünf Jahren um 140 Prozent gestiegen

Ein Neujahrsvorsatz, der für alle Sparer, die ihr Geld zu Nullzinsen herumliegen haben, ein Muss ist, sollte unbedingt der Kauf von Aktien sein. Daran führt kein Weg vorbei, denn wir leben in einer weltweiten Liquiditätsschwemme, die auch 2015 keine höheren Sparzinsen erwarten lässt, zumal die EZB durch den Kauf von Staatsanleihen die Schwemme noch um eine Billion Euro vergrößern will.

Diese Geldflut ist zum Leidwesen der Anleger, die nur in Zinspapieren sparen, denn die Zinsen werden weiter fallen, aber zur Freude von Aktienbesitzern, da die Aktienkurse steigen werden. Anleger, die beharrlich an ihren zinsorientierten Spargewohnheiten festhalten, gehen also ein hohes Risiko ein. Drei Viertel des Geldvermögens der Deutschen stecken in Bargeld, Festgeld, Anleihen, Versicherungen und Sparbüchern, die weder eine nennenswerte Rendite noch einen Schutz vor Inflation bieten.

Wer, wie die Mehrzahl, seit der Finanzkrise sagte: "Aktien, nein danke" hat sich einen Bärendienst erwiesen.

Seit März 2009 ist der Dax um 140 Prozent gestiegen – das sind 17 Prozent Rendite pro Jahr. Wer international anlegte, erzielte sogar 180 Prozent, also 20 Prozent pro Jahr.

Viele fürchten sich vor Aktien, weil sie jeden Anstieg der Kurse als Gewinn und deren Fall als Verlust betrachten. Das ist ein Fehler. Das Auf und Ab sind nur kurzfristige Schwankungen, aber keine echten Risiken. Ein wirkliches Risiko ist der unwiderrufliche Verlust einer Geldanlage, wie etwa Schrottanleihen, die wertlos werden.

Ein Aktionär ist Teilhaber eines Unternehmens, dessen Entwicklung sich langfristig im Aktienpreis widerspiegelt. Gerade weil die Kurse schwanken, müssen Aktien eine höhere Rendite als Zinsanlagen bringen, einen Risikoaufschlag. Es wird Zeit, dass deutsche Anleger zwischen kurzfristigen Schwankungen und endgültigem Verlust zu unterscheiden lernen. Dann können sie die Aktien-Risikoprämie einheimsen und langfristig die Rendite erhöhen. Studien zeigen, dass Aktien der Industrieländer einschließlich Dividenden über lange Perioden Renditen von zehn bis zwölf Prozent jährlich erbrachten, trotz Börsenkrächen, Krisen und Kriegen! Nach Abzug der Inflationsrate blieben sieben Prozent übrig, bei Anleihen nur etwa zwei Prozent. Durch eine sinnvolle Diversifizierung lassen sich sowohl die Schwankungen wie das Gesamtrisiko verringern.

Dass sich dies einfach und ohne großen Aufwand machen lässt, habe ich in meinem vor kurzem in der überarbeiten 4. Auflage erschienenen Buch "Der einfache Weg zum Wohlstand" ausführlich auch anhand von Beispielen mit ausgewählten Aktien, Investmentfonds und ETFs beschrieben. Ein solides, breit diversifiziertes Aktiendepot lässt sich am einfachsten mit Fonds oder –kostengünstiger – mit ETFs gestalten, das eine Mischung aus Anleihen und Aktien enthält. Das Mischverhältnis hängt vom Alter und der Risikobereitschaft des Anlegers ab. Die Aktieninvestments sollten breit international gestreut werden, das senkt das Risiko und steigert die Rendite.

Dabei sollten solide, langfristig überdurchschnittlich rentierende Aktien bevorzugt werden: Das sind Substanz-Aktien mit meistens hoher Dividende, sowie Nebenwerte und Schwellenländeraktien. Das ergibt ein ertragsstarkes, risikominimiertes Vermögenspaket, das dazu den Vorteil bietet, dass es keine häufigen Umschichtungen und keine ständige Beobachtung erfordert. Damit lässt sich gut leben und schlafen.

Denn um die Altersvorsorge ist es in Deutschland miserabel bestellt. Die staatliche Rente wird, im Vergleich zu den Gehältern, immer weiter abgesenkt. Die Riester-Rente ist ein Fiasko in doppelter Hinsicht: Ihre Größenordnung ist ein Tropfen auf den heißen Stein, und die Rendite ist infolge der Überregulierung kläglich gering.

Der ifo-Chef Hans-Werner Sinn hat unlängst darauf hingewiesen, dass in etwa zehn Jahren einer wachsenden Zahl von Sparern die Altersarmut drohe, wenn sie nicht in der privaten Altersvorsorge viel stärker auf Aktien setzten, denn "Aktien sind das Sicherste, was man haben kann".

Mit meinem vorgeschlagenen Anlagekonzept, das auch für kleine Anlagesummen und Ansparprogramme anwendbar ist, schlagen die Anleger drei Fliegen mit einer Klappe: Mit Aktien erhöhen sie den Ertrag ihres Vermögens, sie schützen sich so vor Altersarmut und Inflation, und mit einem Übergewicht an Aktien und Anleihen außerhalb der Euro-Zone schützen sie es vor einem von manchen befürchteten Platzen des Euro. Lohnt sich der Einstieg in Aktien auch 2015? Ein klares Ja. Die Bewertung ist noch nicht übertrieben hoch, Konjunktur und Unternehmensgewinne erholen sich dank des billigen Öls stärker als erwartet, die Zinsen bleiben extrem niedrig und Liquidität gibt es in Hülle und Fülle.