Kolumne_Die Welt_26.03.2014

Vor einem Crash muss niemand Angst haben

Wie Panikmacher bei historischen Vergleichen mogeln

Janet Yellen, die neue Vorsitzende der US-Notenbank Fed, hat gleich bei ihrer ersten Sitzung des Offenmarktausschusses einen neuen Maßstab für die Geldpolitik gesetzt. Sie macht – anders als ihr Vorgänger Ben Bernanke – die Abkehr von der Nullzinspolitik nicht mehr von einer Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent abhängig, sondern von einer breiten Zahl von Indikatoren für den Arbeitsmarkt, die Wirtschaft und die Inflation. Damit verschafft sie sich mehr Flexibilität in der Geldpolitik.

Gleichzeitig hat sie versichert, dass die Wertpapierkäufe planmäßig weiter reduziert werden und bis zum Herbst auslaufen sollen. Anschließend aber, versichert Frau Yellen, werde der Leitzins noch beträchtliche Zeit niedrig gehalten. Kurz: Die Fed gibt nicht mehr Vollgas, aber immer noch Gas. Am Jahresende 2015 rechnet der Offenmarktausschuss mit einem Leitzins von einem Prozent. Mittelfristig hält er aber vier Prozent für angebracht. Herbe Verluste für Anleihebesitzer sind damit programmiert.

Für die vorerst weiter tiefen US-Zinsen gibt es gute Gründe, nicht nur zu Hause, sondern auch in anderen Teilen der Welt. Der Aufschwung in Amerika war zuletzt schwächer als erwartet. Das ist zum Teil auf den ungewöhnlich kalten Winter zurückzuführen. Daher dürfte das Wachstum ab dem 2. Quartal 2014 wieder höher ausfallen. Die Weltwirtschaft wird gebremst durch Probleme in China, die Ukraine-Krise und latente Risiken in der Euro-Zone.

Angesichts dieser Spannungen bleibt die Börse schwankungsanfällig. Dafür sorgen derzeit auch noch Panikmacher. So löste ein Chart, der den Kursverlauf des Dow Jones von 1928 bis 1930 und von 2012 bis 2014 vergleicht, große Aufregung aus. Der Dow Jones war Ende 1929 senkrecht abgestürzt und verlor rund die Hälfte seines Werts. Der Chart zeigte, wie er aktuell genau vor der damaligen Absturzstelle stand. Bei genauerer Prüfung stellte sich heraus, dass der Dow Jones damals zuvor um 85 Prozent gestiegen war, heute aber nur um 24 Prozent. Man hatte einfach die Skalierung für beide Kurven manipuliert. Hätte man eine Periode von 1920 bis 1929 und von 2007 bis 2013 herangezogen, käme genau das Gegenteil heraus: dass wir erst am Beginn eines steilen Börsenaufschwungs stehen, der – verglichen mit damals – noch über zwei Jahre andauern würde. Mit Winston Churchill kann ich da nur sagen: "Traue nur der Statistik, die Du selbst gefälscht hast!"

Die Chancen stehen gut, dass wir tatsächlich noch einige gute Börsenjahre vor uns haben.

Wegen des weltweit moderaten Konjunkturaufschwungs wird sich der globale Wachstumszyklus verlängern. Damit einhergehen werden eine relativ lockere Geldpolitik und freundliche Börsen. Aktien sind zwar nicht mehr ganz so billig, aber auch noch nicht zu teuer. Die Titel können noch weiter zulegen, solange die Bewertung angemessen bleibt und steigende Unternehmensgewinne ihnen Kursfantasie verleihen. Beides ist derzeit der Fall. Auch herrscht noch keine Euphorie auf dem Parkett. Ganz im Gegenteil könnten Turbulenzen in den nächsten Monaten die Stimmung immer wieder trüben.

In solch einem diffusen Anlageumfeld ist es besonders wichtig, ein ertragsstarkes und gleichzeitig risikominimiertes Depot mit Aktien und börsengehandelten Indexfonds (ETFs) aufzubauen. In meinem Buch "Der einfache Weg zum Wohlstand" habe ich konkrete, praktisch umsetzbare Anlagelösungen dafür beschrieben. Anlegern bieten Börsenrücksetzer günstige Einstiegschancen. Sie sollten aber nicht allein auf den Dax setzen, sondern international streuen. Auch die so gebeutelten Schwellenländer sind langfristig wieder attraktiv.