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2. Inflationsschutz

Aktien schützen vor Inflation

Den besten langfristigen Inflationsschutz bieten eindeutig Aktien. Das zeigen die Analysen, die ich im vorangegangenen Beitrag über die langfristigen Renditen verschiedener Investments zitiert habe. Meine Erfahrungen bestätigen das ebenso wie diese Langfriststudien. Das ist ganz logisch, weil sich Forderungen an Schuldner – das sind alle Zinsanlagen ebenso wie die Mehrzahl der Versicherungsanlagen – durch die Inflation entwerten. Eine Fräsmaschine oder eine Auto-Lackieranlage verlieren dagegen real nicht an Wert, ebenso wenig wie das wichtigste Kapital der Unternehmen, das Know-How ihrer Mitarbeiter. Besonders diejenigen Aktien, die eine hohe, gesicherte Dividendenrendite aufweisen, sind attraktiv. Das schützt doppelt vor inflationärer Geldauszehrung – der Anleger hat die Chance auf Kursgewinne und steigende Dividendenzahlungen, – in Inflationszeiten eher stärker als sonst. Im Gegensatz zu festen Zinsen bei Anleihen sind die Dividenden bei Aktien gewissermaßen inflationsindexiert.

Der Vorteil der Aktie gilt so lange, bis die Notenbanken eine aus dem Ruder laufende Inflation mit massiven Zinssteigerungen bekämpfen. Darunter leiden mit Verzögerung Unternehmen und mit ihnen ihre Aktien. Anders gesagt: Die Inflation ist nicht schlecht für Aktien, nur der Kampf gegen die Inflation mit hohen Zinsen schadet ihnen in doppelter Hinsicht. Bei hohen Zinsen laufen die Geschäfte schlechter, die Unternehmensgewinne gehen zurück und die Anleihen werden attraktiv, sind also eine Konkurrenz zu Aktien.

 

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2012 hat der renommierte Chefanalyst Sam Stovall vom Finanzdienstleister S&P Capital IQ die Kursentwicklung in den USA bis 1953 unter dem Inflations- und Zinsaspekt zurückverfolgt. Im Großen und Ganzen hat er das bestätigt, was an der Börse als Regel gilt, solange ich mich damit beschäftige: Erst bei Anleihezinsen oberhalb von sechs Prozent – was meistens der Fall ist, wenn die Inflationsrate der Vier-Prozent-Marke zustrebt – leiden Aktien. Am besten sind, und das wird manchen wundern, nicht so extrem niedrige Zinsen wie in den letzten Jahren, sondern Renditen zwischen drei und vier Prozent. In solchen Phasen hat der US-Aktienindex im Jahresschnitt um gut 20 Prozent zugelegt, bei den Zinsen Anfang 2015 von weniger als drei Prozent dagegen „nur“ um 14 Prozent. Das ist leicht zu erklären: Sind die Zinsen und mit ihnen die Inflation extrem niedrig, deutet das auf eine schwache Konjunktur hin. Steigen sie wieder Richtung Normalmaß, heißt das, dass die Wirtschaft Fahrt aufnimmt, die Unternehmensgewinne steigen und die Krisenängste abnehmen. Dann strömen die Anleger in Aktien.

Fünf Gründe, warum die Inflation kommen wird

Ich gehe davon aus, dass die Inflation in den nächsten Jahren wieder ein Thema werden wird, auch in Deutschland, das traditionell zu den Ländern mit der geringsten Teuerung zählt. Warum?

 

 

1. Expansive EZB-Politik

Erstens, weil die maßlose Geldvermehrungspolitik der EZB und noch mehr der US-Fed, der britischen BoE und der japanischen BoJ die Saat für mehr Inflation gelegt hat. Sobald die Wirtschaft wieder besser läuft, müssen die Notenbanken die Fülle an Liquidität wieder einsammeln, wollen sie einen starken Anstieg der Inflation über die gewollte 2-Prozent-Marke hinaus verhindern. Das wird aber nach meinen Erfahrungen nicht klappen. Die Notenbanken sind traditionell stark bei der Kreation neuer Liquidität, aber schwach, wenn es darum geht, sie wieder einzusammeln.

 

2. Hohe Staatsverschuldung

Zweitens wird die unheimlich hohe Staatsverschuldung in vielen Ländern der Welt, insbesondere aber in Europa, Japan und den USA, die Inflation beflügeln. Denn die Staaten können ihre Schuldenberge bei steigenden Teuerungsraten viel leichter abtragen als bei stabilen Preisen. Die aufgehäuften Schulden verlieren bei stärker steigenden Preisen real immer mehr an Wert – und die Regierungen werden deshalb im Zusammenspiel mit den Notenbanken alles daran setzen, durch eine Kombination aus höherer Inflation und künstlich niedrig gehaltenen Zinsen die Schulden real – also preisbereinigt – zu reduzieren. Für alle Zinsanleger bedeutet dies: Sie werden noch auf Jahre hinaus Mühe haben, Erträge zu erzielen, die oberhalb der Inflationsrate liegen. Die Entwertung, ja Enteignung ihres Vermögens geht weiter.

 

3. Steigende Lohnkosten in den Emerging Markets

Drittens nimmt der preisdämpfende Effekt der Einfuhren aus China und anderen Schwellen- und Entwicklungsländern nach und nach ab. Denn die Löhne und Gehälter dort klettern zum Teil mit zweistelligen Raten – und das wird sich mittelfristig in höheren Preisen auch bei uns niederschlagen. Übrigens: Die Globalisierung mit ihrer Flut billiger Produkte aus den Schwellenländern gilt allgemein als Hauptgrund dafür, dass die Inflation seit nunmehr rund 30 Jahren nur moderat gestiegen ist. Da aber der Preiseffekt nachlässt, geht auch die von Emerging Markets geborgte Preisstabilität bei uns in den Industrieländern allmählich zu Ende.

 

4. Energie- und Rohstoffpreise steigen

Viertens neigt sich die Zeit fallender Energie- und Rohstoffpreise mit der Belebung der Weltwirtschaft ihrem Ende entgegen. Niedrigere Benzin- und Gaspreise sowie nur moderat steigende Nahrungsmittelkosten aber haben die Inflation in den letzten Jahren am stärksten gedrückt. Fällt dieser Entlastungseffekt weg, werden sich die inflationären Tendenzen wieder stärker durchsetzen.

 

5. Höhere Lohnabschlüsse

Fünftens endet auch die Zeit der Genügsamkeit der Gewerkschaften. Die Lohnabschlüsse der jüngsten Zeit zeigen klar an, dass die Arbeitskosten real stark klettern – und das können die Unternehmen bei einer robusten Konjunktur leichter an ihre Kunden weiterreichen als bisher. Die Lohn-Preis-Spirale kommt also wieder in Schwung. In Deutschland wirken zudem die Renten- und Mindestlohnbeschlüsse der Großen Koalition preistreibend, sodass sich ein ungutes Gemisch aus Inflationsverstärkern zusammenbraut.

MEIN FAZIT
Ich kann jedem Anleger angesichts der in den nächsten Jahren aufwärts gerichteten Inflationserwartungen nur dazu raten, rechtzeitig zu agieren statt zu spät zu reagieren. Nominale Geldwerte wie Anleihen, Sparbriefe, Einlagen bei Banken abbauen, Lebensversicherungsprodukte meiden und Sachwerte, insbesondere Aktien, aufbauen, lautet deshalb das Gebot der nächsten Jahre.